Bin ich introvertiert?

Diese Frage ist mit einem klaren Jein zu beantworten.

Dass ich Menschenmengen, Parties und Events wie Volksfeste oder Rockkonzerte meide, ist eher meiner Hochsensibilität geschuldet als einer Introversion.

Von meiner Anlage her bin ich sehr schüchtern, aber im Laufe meines Berufslebens habe ich gelernt, mit jeder Art von Menschen zu kommunizieren. Ich bin quasi an meinen Aufgaben gewachsen und habe Talente entdeckt, von denen ich vorher nicht wusste, dass ich sie habe.

Ich gebe zu, ich agiere lieber im Hintergrund und mag es nicht so gerne, mich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wiederzufinden, habe aber erkannt, dass ich in der Lage bin, Menschen mitzureißen und zu motivieren, wenn ich mich für etwas begeistere.

Das erfordert natürlich Sichtbarkeit und das, was man neudeutsch als Standing bezeichnet. Beim ersten Mal, als ich mich vor die Führungsriege einer Firma stellen und mein Konzept zum Aufbau einer kompletten Verwaltung erläutern musste, hatte ich Angst. Aber ich habe meine Vorstellungen trotz erheblichen Widerstands des Hauptgesellschafters durchgesetzt. Danach habe ich mich prima gefühlt. Ich vermute, der Energieschub, den ich durch so etwas bekomme, hat mit meiner HSS-Eigenschaft zu tun. Ein High Sensation Seeker sucht ja immer das Risiko. Ich suche das zwar nicht auf körperlicher Ebene durch Bungee-Jumping oder Drachenfliegen, aber ich brauche die geistige Anregung und Auseinandersetzung, um mich wohlzufühlen. Allerdings muss ich sehr genau darauf achten, dass nicht die Grenze zur Überlastung überschritten wird. Das ist oft eine heikle Gratwanderung, die mir im beruflichen Bereich besser gelingt als im privaten, weil ich da zu den Personen mehr inneren Abstand habe.

In privaten Beziehungen erliege ich leicht den Konditionierungen durch eine nahestehende Person. Wenn meine Argumente nicht anerkannt oder zumindest in Betracht gezogen werden, kann es schnell passieren, dass ich mich vollkommen zurückziehe und in eine Art von passivem Widerstand verfalle.

Zumindest war das bis vor Kurzem so. Ich lerne gerade, im Ernstfall auch einmal einfach „Nein“ zu sagen, ohne mich dafür zu rechtfertigen. Das erfordert allerdings einige Übung, da mein Umfeld versucht, den bekannten Status quo aufrechtzuerhalten.

Interessant ist bei all dem, wie mich andere Menschen sehen. Wenn ich jemandem sage, dass ich schüchtern bin, fängt mein Gegenüber an zu lachen. Das glaubt mir keiner. Trotzdem ist es so, dass ich im privaten Bereich selten von mir aus auf andere Menschen zugehe. Wenn allerdings der Andere Kontakt mit mir aufnimmt, dann kann ich äußerst kommunikativ sein.

Kommentar (1)

  1. Werner Lessmann

    Liebe Angela, auch dafür gibt es Entsprechungen in Deinem Chart. Eine offene Kehle spricht nicht gern. Ist als ganz natürlich. Man sagt halt dann introvertiert oder schüchtern. Aber mit diesen Wertungen kommt man nicht weit. LG Werner

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