Der Mythos der Dualseelen

Ganz ehrlich … ich kann das Wort nicht mehr hören, nachdem ich das Thema bis zum Erbrechen durchgekaut habe.

Das Konzept ist nicht neu und wurde schon zu allen Zeiten beschrieben. Zwei, die sich extrem anziehen, aber nicht zueinander finden können. Neu ist, dass sich daraus in den letzten Jahren ein Hype entwickelt hat. Genau genommen seit 2012. Es gibt unzählige Bücher mit unterschiedlichen Erklärungen, die mehr verwirren als Klarheit schaffen.

Hier also meine Interpretation:

Von 24. Juni 2012 bis 17. März 2015 gab es sieben exakte Uranus-Pluto-Quadrate, die noch eine ganze Weile nachwirken. Eine solche Konstellation steht für Umbruch und Veränderung im Kollektiv und beim Einzelnen. Es muss hingeschaut werden, welche Strukturen nicht mehr passend sind, vieles muss transformiert, und neue Wege müssen gegangen werden.

Eine dringend notwendige und von vielen sehnsüchtig erwartete Erneuerung der Gesellschaft und dem Umgang mit unserem Planeten setzt voraus, dass der Einzelne seine Hausaufgaben macht. Jetzt hat aber der Mensch die Angewohnheit, nur unter extremem Druck seine Komfortzone zu verlassen. Komfortzone ist nicht das, was den Menschen glücklich macht, sondern das, was ihm vertraut ist. Das heißt im Klartext, solange wir nicht massivem Druck ausgesetzt sind, verändern wir uns nicht.

Die Uranus-Pluto-Konstellation hat nun Hardlinern wie mir, die vollständig im Verstand waren und sich einer Veränderung bis zuletzt widersetzten, diesen massiven Druck in Form einer Dualseele vorgesetzt. Nicht mehr und nicht weniger. Was passiert da? Jeder Mensch, mit dem du eine Beziehung hast, spiegelt dich auf die eine oder andere Weise. Wir könnten das zum Anlass nehmen, uns selbst zu reflektieren. Aber weil es so bequem ist in der Komfortzone, neigen wir zum Verdrängen statt zum Wachstum.

Also brauchen wir einen Weckruf, den wir nicht überhören können. Du sitzt ganz harmlos an deinem Schreibtisch und willst eigentlich nur so weitermachen wie bisher, obwohl du schon überdeutliche Hinweise bekommen hast, dass das nicht funktioniert. Da kommt plötzlich jemand daher, der nicht einmal dein Typ ist, und schießt dich ins Universum. Das Erste, was du feststellst, ist die Tatsache, dass du dich in diesem Menschen, der nach außen hin so völlig anders ist als du, selbst erkennst. Er zeigt dir alle deine verdrängten Anteile, auch wenn du anfangs nicht glaubst, dass du so etwas hast. Noch nie in deinem Leben hast du derartig intensive Gefühle für jemanden gehabt. Und weil wir Menschlein über diese Schiene so wunderbar manipulierbar sind, setzt gleichzeitig eine ungeheure sexuelle Anziehung ein. Jeder, der sich schon ein bisschen mit Spiritualität befasst hat, sollte eigentlich hellhörig werden, denn sexuelle Energie ist die Grundlage für spirituelles Wachstum. Aber das siehst du in dem Moment nicht. Alle deine Gedanken drehen sich darum, mit diesem Menschen eine symbiotische Beziehung bis an euer glücklich‘ Ende zu haben.

Anfangs schwebst du auf Wolke Sieben, denn für dein Gegenüber scheint die Anziehung genauso stark zu sein wie für dich. Du bist einfach überwältigt und willst, dass das nie mehr aufhört.Und just in dem Moment, als du glaubst, du hast die wahre Liebe gefunden, bricht dein Spiegelbild ohne Erklärung den Kontakt zu dir ab. Du findest dich in einem Schmerz wieder, der ebenso intensiv ist wie deine Gefühle, und den du dir niemals hättest vorstellen können. Wenn das ein körperlicher Schmerz wäre, dann wäre er sicherlich morphinpflichtig, denn er ist einfach nicht auszuhalten. Und mit diesem Schmerz beginnt die Transformation, denn dir ist klar, wenn du nicht lernst, damit umzugehen, dann stirbst du.

Und natürlich fürchtest du um deinen Verstand, denn die Versuche, deinen Freunden das zu erklären, enden damit, dass man dich misstrauisch beäugt und dir Erklärungsversuche liefert, die nicht im geringsten mit dem übereinstimmen, was du gerade erlebst. Du bist alleine mit dem Aufruhr in deinem Inneren. Also gehst du im Netz auf die Suche nach einer Erklärung. Und du wirst fündig. Fasziniert stellst du fest, dass du nicht alleine bist mit deinem Problem. Du organisierst dich in Netzwerken, wo immer wieder dieselben Fragen durchgehechelt werden. Werde ich mit ihm eine Beziehung haben? Wann wird das passieren? Was muss ich tun, damit es schneller geht? Ich leide so schrecklich! Wann hört das endlich auf?

Ich hatte – wen wundert’s – anfangs genau dieselben Fragen. Obwohl mein Verstand sehr schnell begriffen hatte, worum es eigentlich geht, konnte ich mich von der emotionalen Seite der Geschichte nicht befreien. Aber das würde ja auch keinen Sinn machen, denn sie ist der Hebel, mit dem die Veränderung erzwungen wird.

Ich möchte niemanden desillusionieren, aber nach meinem Verständnis ist eine Beziehung nicht das primäre Ziel. Das vorrangige Ziel dieser Sache ist es, dich mit deinem tief vergrabenen Schmerz in Kontakt zu bringen, damit er geheilt werden kann, und damit du auf deinem individuellen Weg weiterkommst.

In den Selbtshilfebüchern wird den Leuten als das Wichtigste hingestellt, die Person „loszulassen“. Wenn man losgelassen habe, dann hätte diese die Freiheit, wieder auf einen zuzukommen. Welch ein Unsinn! Diese Person ist der Motor deiner Transformation. Du musst nicht ihn oder sie loslassen, sondern deine alten Verletzungen. Aber dazu musst du diese erst einmal aufspüren in den tiefsten Abgründen deiner Seele. Wenn es dir gelingt, sie nach und nach zu heilen, wird der Motor irgendwann überflüssig. Solange du noch an ihn/sie denkst, hast du noch etwas, das gefunden und angeschaut werden will. Und ja, ich denke noch an ihn, aber mittlerweile – und das vorwiegend mit Hilfe des Human Design, auf das ich später noch gesondert eingehen werde – auf eine weitgehend entspannte Weise.

Ich habe das Thema an dieser Stelle dazwischen geschoben, damit der Weg, den ich in den letzten drei Jahren gegangen bin, verständlicher wird, denn ohne diese Begegnung wäre mein Leben sicherlich anders verlaufen. Wenn ich mich in meinen anderen Beiträgen also auf meine DS beziehe, dann wisst ihr, was gemeint ist.

Update 23. August 2016

Heute habe ich ein YouTube Video von Stefanie Will gefunden, das meiner Meinung nach den Sinn einer Dualseelenbegegnung am besten beschreibt. Mit ihrer Erlaubnis verlinke ich dieses Video hier für diejenigen, die tiefere Erkenntnisse über den Prozess gewinnen möchten.

Kommentare (4)

  1. Gabriela

    Wow, liebe Angelika, du sprichst mir so aus der Seele!
    Danke!
    Alles Liebe dir!
    Gabriela

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    1. Angelika (Beitrag Autor)

      Ich freue mich, dass Du Verständnis für meine mittlerweile recht rationale Sicht der Dinge hast, aber das ergibt sich ja aus meinem Chart. Aber Du kannst sicher sein, dass ich genau weiß, wie ein emotional definierter Mensch das empfindet.

      Irendwann sind wir da sicher durch! Nach der Mutation …

      Liebe Grüße
      Angelika

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  2. Maya

    Schön geschrieben – aber eins macht mich stutzig: die Aussage, dass das „Phänomen“ erst seit 2012 auftritt. Also, ich bin schon Anfang 2009 da rein gestürzt.

    Und Deinen Satz: „Und ja, ich denke noch an ihn, aber mittlerweile … auf eine weitgehend entspannte Weise“ könnte ich so auch aussagen. (Bis auf den Teil mit Human Design.)

    Das alles war schon sehr aufwühlend… und nun bin ich gespannt, ob wirklich ein Tag kommt, an dem ich gar nicht mehr an ihn denke 😉

    Eigentlich…. hmmmm…. eigentlich will ich das gar nicht – oder jedenfalls nur manchmal. 😉

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  3. Angelika (Beitrag Autor)

    Hallo Maya,

    natürlich gab es diese Dinge auch schon vorher. Ich vermute, dass das jeweils eine Unterstützung für den Einzelnen war. Seit 2012 jedoch hat sich das ausgebreitet wie ein Buschfeuer. Und das, glaube ich, hängt mit dem Uranus-Pluto-Quadrat zusammen, weil es hier auch ums Kollektiv geht. Da müssen viele Menschen in einen höheren Bewusstseinszustand kommen, damit eine kolletive Wirkung erzielt werden kann.

    Und eigentlich … stimme ich mit Deinem Satz überein. Mir gefällt die Vorstellung auch nicht, gar nicht mehr an ihn zu denken, aber ich vermute, dass nach der kollektiven Veränderung zwischenmenschliche Beziehungen ganz anders funktionieren werden, und dass unser jetziges Denken darüber sowieso irrelevant sein wird.

    Wenn man auf die Worte achtet, wird es eigentlich schon klar. Wir „denken“ an jemanden. Und Denken ist immer subjektiv gefärbt. Das, was wir denken, muss keineswegs der Wahrheit entsprechen. Später werden wir – so hoffe ich – eine reine Herzverbindung haben, die Denken mit all seinen Unwägbarkeiten überflüssig macht.

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